Eine Einordnung des Jahrgangs 2024 für das Burgund
So viel ist klar, der Burgund-Jahrgang 2024 ist einer der herausforderndsten der letzten Jahrzehnte. Winzer sprechen offen von einem Albtraum: zu viel Regen, tiefe Temperaturen, massiver Mehltaudruck und historisch tiefe Erträge. Händler hingegen präsentieren die Weine (wie immer) als klassisch, präzise und elegant, mit Fokus auf Frische, Klarheit und Spannung. Beides stimmt. Dieser Jahrgang ist zwar klein und ungleichmässig, dafür stilistisch klar definiert.
Wetterextreme und ihre Folgen
Während Burgund seit Jahren eine zunehmende Trockenheit fürchtet, brachte 2024 das pure Gegenteil: Es viel so viel Regen wie sonst in einem ganzen Jahrzehnt. Besonders schlimm war es während der Blüte im späten Frühling und so traf der starker Niederschlag die empfindlichen Reben am meisten. Vor allem Pinot Noir litt unter Verrieselung, was die spätere Ernte stark reduzierte. Aber auch in Chablis und an der Côte d’Or war der Schaden besonders gross.
Der viele Regen wusch die Pflanzenschutzmittel regelmässig von den Reben. Und so breitete sich der Falscher Mehltau sehr früh und äusserst aggressiv aus. Zahlreiche Betriebe gaben sogar ihre biologische Bewirtschaftung vorübergehend auf, um überhaupt noch etwas von der Ernte retten zu können. Und so musste, wer konsequent blieb, bis zu 15 Behandlungen durchführen, was deutlich mehr als üblich der Fall ist.
Die Verluste waren teils dramatisch: Beim Rotwein fehlen bis zu 80% vom üblichen Etrag. Bei den Weissen fehlten ca. 30%. Ein enormer Verlust für die Winzer! Dank eines etwas besseren Wetters im Spätsommer konnten die verbliebenen Trauben zwar ausreifen, jedoch nur mit moderaten Zuckerwerten. Viele Weine liegen unter 13 Volumenprozent Alkohol, was ich persönlich sehr erfreulich finde. Allerdings wurde aber auch wieder oft chaptalisiert. Die Säure ist hoch, was den Weinen Frische und Spannung gibt, sie aber auch schlank wirken lässt.
Stil der Weine
Pinot Noir 2024 zeigt sich hellfarbig, fein strukturiert, mit kaum spürbaren Tanninen. Die besten Beispiele sind duftig, präzise und früh zugänglich, jedoch nicht für extreme Lagerung gedacht. Konzentration ist selten, Eleganz dafür häufig. Da hatte es der Chardonnay leichter. Die Weissweine sind zahlreicher, sehr lebendig und mineralisch, mit klarer Säure und Fokus auf Herkunft statt Opulenz.
Kellerarbeit unter Druck
Bekanntlich führen kleine Mengen zu halb gefüllten Tanks, was das Risiko von Oxidation und Gärproblemen erhöhte. Auch beim Holzeinsatz gab es Herausforderungen: Für Premier und Grand Cru mussten teils höhere Anteile neues Holz verwendet werden, schlicht weil zu wenig Wein für mehr Fässer vorhanden war. Gleichzeitig war das Lesegut oft zu fein für starke Extraktion und Zurückhaltung war entscheidend.
Preise und Markt
Hoffnungen auf sinkende Preise erfüllten sich nicht. Die sehr kleine Ernte 2024 und auch der ebenfalls knappe Jahrgang 2025 stabilisieren das hohe Preisniveau.
Wo liegt 2024 der Wert?
Südlich der Côte d’Or sieht die Lage besser aus. Côte Chalonnaise, Mâconnais und Beaujolais kamen vergleichsweise glimpflich davon und lieferten deutlich mehr Wein. Die Qualität dieser Regionen ist in den letzten Jahren stark gestiegen und so bietet 2024 ein besonders gutes Preis-Genuss-Verhältnis.
Burgund 2024 ist kein Jahr der Fülle, sondern ein Jahr der Präzision. Wer Kraft und Dichte sucht, wird enttäuscht sein. Wer hingegen Frische, Transparenz und frühere Trinkreife schätzt, findet spannende Weine, vor allem bei den Weissen und den Weinen der südlicheren Appellationen.
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