Viele deutsche Winzer haben früher ihr Glück im Ausland und in der Champagne gesucht. Dazu gehört neben Bollinger, Deutz, Mumm und noch einigen anderen auch der heute wohl berühmteste und in Mainz geborene Gründer des Hauses Krug, Joseph Krug.

Das Maison Krug nimmt in jeder Hinsicht eine Ausnahmestellung in der Champagne ein. Primus inter pares ist nicht übertrieben, sondern treffend. Für Krug gibt es nur Superlative. Die einschlägige Fachliteratur benotet Krug immer mit 10 von 10 und dies absolut zu Recht.

Aber womit erreicht Krug immer das Maximum bei der Champagner-Produktion? Es beginnt damit, dass Krug zwar zu dem Konzernmulti LVMH gehört, aber dennoch völlig unabhängig agiert. Man könnte jetzt denken, dass das Champagnerhaus dadurch weniger qualitätsbewusst ist als der Mutterkonzern. Au contraire! Wir haben es hier mit Qualitätsfanatikern par excellence zu tun. Mehr geht schlichtweg nicht.

Es geht damit weiter, dass kein Haus auf so viele Reserveweine zurückgreifen kann wie Krug (mir ist jedenfalls keines bekannt). Der «Multivintage»-Champagner Grande Cuvée besteht aus über 100 (bis zu 200) Reserveweinen und einem Hauptwein aus dem jeweiligen Jahr. Alleine diese Komposition ist eine beachtliche und unglaubliche Meisterleistung, wofür man Krug nicht zuletzt in der Champagne unter deren Winzern grossen Respekt zollt.

Krug war auch das erste Haus, das einen Champagne nicht nur aus einem Jahr produziert hat, sondern auch aus einem einzelnen Clos, also einem ummauerten Weingarten, aus dem die Trauben kommen. 1979 hat Krug mit dem Clos du Mesnil gestartet. Dieser ummauerte Weingarten liegt inmitten eins Wohngebiets in Le Mesnil-sur-Oger in der Côte des Blancs und ist rein mit Chardonnay bepflanzt. Der Wein ist der preislich weit von dem entfernt, das man gemeinhin bei Champagne denkt, aber eben: Bei Krug ist das Wort «gewöhnlich» in keinerlei Hinsicht existent. 1995 hat das Champagnerhaus dann das Gegenstück auf den Markt gebracht, einen reinen Pinot-Noir-Champagner unter dem Namen Clos d´Ambonnay.

Krug macht den Vintage (nur in Top-Jahren) mit den drei klassischen Traubensorten der Champagne. Aktueller Release ist 2006! 2008 schlummert noch, aber hey, wir haben ja erst 2020!

Dann gibt es eine Steigerung dazu, die Krug Collection. Diese hat am Flaschenhals ein güldenes Etikett. Der (Jahrgangs-)Wein liegt länger als die anderen, bevor er degorgiert wird.

Der 1990er Krug Collection zum Beispiel lag schlappe 24 Jahre (!) im Keller Jahre und wurde 2015 degorgiert. Den kann man heute mit Freude trinken. Er ist nicht alt oder schal, no way! Die Hefe, die vor dem Dégorgement in der Flasche war, machte ihn stabil und gab ihm die aufregenden Aromen. Champagne gewinnt grundsätzlich durch Reifung. Ein Vintage-Champagne muss nach französischem Recht vor dem Dégorgement mindestens drei Jahre auf der Hefe reifen. Bei Jahrgangslosen, also dem Gros, braucht es Minimum 15 Monate.

Der beste Wein ist der verkaufte Wein. Daher müssen Winzer auch verkaufen. Zeit spielt bei Krug aber (k)eine besondere Rolle, hier hat man Geduld und vieles mehr, nur keinen Zeitdruck. Daher kann man entspannt einen Krug Collection mal ein Vierteljahrhundert im Keller reifen lassen!

Krug 1988 (c) by weinkellerschweiz.ch

Dann, und das ist nicht so bekannt, gibt es eine Edition, bei der Krug die Champagne nach dem Dégorgement noch 10 Jahre im hauseigenen Keller belässt = perfekte Lagerung bei etwa 13 Grad. Zum Beispiel hat Krug den Vintage 1988 (herausragendes Jahr) im Jahr 2005 degorgiert und dann noch mal einen Teil der Bouteillen zehn Jahre bis 2015 im eigenen Keller gelagert.
Dann erst kam er in den Verkauf. Stellt Euch vor, heute, im Sommer 2020, einen Champagner aus 1988 zu trinken, der nicht tot ist, sondern lebt! Und damit kommen wir zu dem einzigen «Nachteil». Die Weine sind teilweise unsterblich beziehungsweise benötigen länger zum Reifen als der längste Geduldsfaden hält. Dieser reisst, bevor der Krug den Genussbrunnen erreicht hat. Das optimale Trinkfenster bei Krug zu erwischen ist eine Kunst, die auf Erfahrung basieren kann. Der 88er, den ich unlängst hatte, ist – schlicht zu jung. Klingt komisch, ist aber so. Dieser Wein hat eine Säure, die das Gesamtbild (noch) stört. Am zweiten Tag wurde der Champagner etwas gefälliger und gab etwas mehr von seiner Aromenvielfalt preis.

Der wohl bekannteste Champagner von Krug ist die Grande Cuvée, in die bis zu 200 Basisweine aus unterschiedlichen Jahren assembliert werden. Chef de Cave war zuvor Eric Lebel, heute ist es Julie Cavil, die für diese Kompositionen verantwortlich sind. Im Bild die 164ème Edition. 127 Grundweine aus elf unterschiedlichen Jahren. Hauptwein und jüngster Wein ist 2008 (großes Jahr), der älteste Wein ist aus 1990. Das muss so komponiert werden, dass es nachher nicht nur schmeckt, sondern grandios ist – sonst wäre es nicht Krug. Was für eine Leistung. Das kann niemand sonst in der Champagne, was schon rein darin seinen Grund hat, dass niemand eine solche Winelibrary hat. Dieses «Krug-Parfum», das der Wein versprüht, ist einzigartig. Man merkt, dass hier Grossmeister bei der Komposition am Werk waren. Faszinierend!

Mir ist schon bewusst, dass ich als Nerd für viele eine Sprache spreche, die spanisch klingt und eine Welt beschreibt, die sich nicht jedem erschliess. Das ist völlig ok. Aber bitte lasst Euch darauf ein und trinkt mal einen Krug. Das sollte auf der Bucketlist derjenigen stehen, die gerne Perlen im Glas haben. Und meine FB-Freunde sind ja ausnahmslos neugierig und intelligent – so go for it!

Über Euren Bericht in den Kommentaren würde ich mich freuen! Santé!